Oktober 8, 2018 Peter Ramsenthaler

10 Jahre Airbnb: Von Luftmatratzen zu Überfliegern

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Geniale Marketing Erfolgsgeschichten

Airbnb, der online-Marktplatz für die Buchung und Vermietung von Privatunterkünften, ist mit seiner Mission “Belong Anywhere” (Überall dazugehören) inzwischen zum Sinnbild der Sharing Economy geworden. 10 Jahre nach seiner Gründung und derzeit mit einem geschätzten Firmenwert von 30 Mrd. US-Dollar, hat das Unternehmen die Tourismusbranche umgekrempelt – und sorgt dabei immer wieder für Kontroversen…

Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk kam die Idee zu Airbnb laut Gründungsmythos, als sie mit der Bereitstellung von aufblasbaren Betten (“Airbeds”)  zur Übernachtung die hohe Miete ihres Apartments in San Francisco mitfinanzierten. 2008 ging die Website airbedandbreakfast.com online, 2009 sicherte man sich erste Investorengelder. Inzwischen ist Airbnb ein vielseitiges Tourismusunternehmen, das nicht nur Zimmer und Apartments, sondern auch Angebote für besondere Events und Geschäftsreisende vermittelt. Der Unternehmenswert wird auf  30 Mrd. Dollar geschätzt, erwirtschaftet von über 3000 Mitarbeitern. Trotz zahlreicher Kontroversen wie Anrainerprotesten oder Vorwürfe, die Wohnungsnot in beliebten Touristenstädten zu befeuern, bleibt Airbnbs Erfolgswelle bisher ungebrochen und die Marke genießt hohe Sympathiewerte bei Reisenden und Vermietern. Hier ein paar Gründe dafür …

 

Menschliche Grundbedürfnisse ansprechen  

Zunächst war Airbnb vor allem eine Möglichkeit, günstig eine Privatunterkunft zu ergattern. Doch den Durchbruch erzielte das Unternehmen mit der erst später entwickelten Mission und entsprechenden Marketing-Kampagne: Belong Anywhere! Denn wer in andere Städte oder Länder reist, auch aus Vergnügen, fühlt sich leicht fremd, verloren, oder als “Tourist” gekennzeichnet. Mit dem Angebot, bei freundlichen Einheimischen anstatt in einem anonymen Hotel zu übernachten, rührte Airbnb an das zutiefst menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sich Zuhause zu fühlen. Außerdem nutzte es den Hunger der Millenials und der späteren Generation X nach “authentischen Erfahrungen” anstatt Massentourismus. Gemeinsam mit dem günstigeren Preis eine überzeugende Mischung.

 

Durchhaltevermögen zeigen

Was 2008 als “Airbedandbreakfast.com” online ging, stieß bei Investoren zunächst noch auf wenig Gegenliebe. So waren die Gründer zunächst gezwungen, sich ihre Geschäftsidee selbst zu finanzieren – darunter durch den Verkauf von Frühstücksflocken für die Obama-Präsidentschaftskampagne. Ihr Einfallsreichtum beeindruckte schließlich das Angel-Fund-Unternehmen Y Combinator genug, um 2009 20.000 USD zu investieren – trotz Zweifel am Geschäftsmodell. Doch Chesky, Blecharczyk und Gebbia gaben nicht auf. Befeuert von der durch die Wirtschaftskrise verstärkte Nachfrage nach erschwinglichen Unterkünften, wächst das Angebot an auch ungewöhnlichen Übernachtungsmöglichkeiten, und damit das Unternehmen. Ende 2010 sicherte sich Airbnb schließlich die Unterstützung der Investment-Giganten Sequoia Capital – und 7,2 Mio. USD. Der Durchbruch war geschafft.

 

Produktverwandte Innovationen

In den zehn Jahren seines Bestehens hat Airbnb sein Angebot konsequent erweitert und ist zu einem vielseitigen Tourismusunternehmen geworden. Neben dem Kernprodukt des Gästezimmers mit geteiltem Bad gibt es eigene Apartments und auch extravagante Unterkünfte wie Iglus oder Baumhäuser. Ende 2016 kamen außerdem privat angebotene Events dazu, die exklusive Erfahrungen “wie für Einheimische” anbieten, vom Paella-Kochen bis hin zur Begegnung mit Wölfen. Die nächsten Schritte sind Angebote für Geschäftsreisende, die für einen festgelegten Standard und gute Arbeitsbedingungen auch tiefer in die Tasche greifen – außerdem wurde eine hochpreisige Premium-Kategorie* eingeführt und sogar von einer Airline ist die Rede.

 

Widerständen flexibel begegnen

Airbnb hat gute Gründe, sich zu diversifizieren. Denn mit zunehmendem Wachstum sieht sich das Unternehmen immer wieder mit Kritik konfrontiert: Airbnb sei indirekt verantwortlich für die Verknappung von Wohnraum in Städten wie London, Barcelona oder Amsterdam, für die Überforderung von “authentischen Vierteln” mit immer mehr Städtetouristen, würde einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber Hotels haben, die viel mehr Auflagen zu erfüllen haben. Hürden, die das Unternehmen bisher stets flexibel genommen hat auf dem Weg zum geplanten Börsengang 2019, ohne als Marke viele Sympathien einzubüßen. Nun bleibt abzuwarten, wohin die Reise für Airbnb die nächsten 10 Jahre geht.

 

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Weitere Artikel:

http://fortune.com/airbnb-travel-mission-brand/

https://www.economist.com/europe/2018/07/19/charlemagne-the-backlash-against-airbnb

https://www.campaignlive.co.uk/article/airbnb-built-its-brand-telling-world-not-travel/1444657

https://www.independent.co.uk/travel/news-and-advice/airbnb-changes-2018-how-upgraded-plus-properties-hotels-b-bs-a8225046.html

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